AUTOR: SIGRID JOSITZ
FOTO: BAYERISCHER BRAUERBUND E.V.
Bier gehört zu Bayern wie das Oktoberfest zu München. Im südlichsten Bundesland Deutschlands gilt der schmackhafte Gerstensaft sogar als Grundnahrungsmittel. In Bayern lag der Pro-Kopf-Verbrauch 2008 bei ca. 160 Litern Bier – damit führt Bayern die bundesdeutsche Durststatistik weiter an.
Bier ist dennoch nicht gleich Bier. Was aber macht den geschmacklichen Unterschied zwischen Hellem, Weißbier, Dunkel und Pils aus? Denn laut bayerischem Reinheitsgebot dürfen nach wie vor nur vier Zutaten ins Bier: Hefe, Hopfen, Malz und Wasser.
Hefeart.
Zunächst unterscheidet man Biere nach ihrer Brauweise: Ist es ein ober- oder untergäriges Bier? "Die Bezeichnung der Brauweise hängt mit der eingesetzten Hefe zusammen", erklärt Braumeister Bernhard Baumgartner von der Weissbierbrauerei Zum Kuchlbauer in Abensberg (Kreis Kelheim, Niederbayern).
In der obergärigen Brauweise wird Hefe verwendet, die bei Temperaturen zwischen 15 und 24 Grad vergärt. Sie heißt Saccharomyces cerevisiae, gerne auch als "Bierhefe" bezeichnet. Während des Gärvorganges, bei dem der in der Würze gelöste Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt wird, schließen sich mehrere Zellen zu so genannten Sprossverbänden zusammen. Diese steigen mit der Kohlensäure nach oben auf. Daher der Begriff "obergärig". Obergärige Biere sind neben dem in Bayern bestens bekannten Weißbier auch Alt, Stout, Ale und Kölsch.
Untergärige Hefe ("Saccharomyces carlsbergensis") vergärt bei etwas kühleren Temperaturen – zwischen 5 und 10 Grad. Sie setzt sich während des Gärvorgangs auf dem Boden des Gärbehälters ab. Um Qualitätsverluste zu vermeiden, muss im Gärprozess und auch in der anschließenden Lagerung durchgehend gekühlt werden. "Untergärige Biere haben oft eine längere Reifezeit als obergärige Biere", weiß der Braumeister.
Stammwürze.
Neben Farbe und eingesetzter Malzart (Gerste, Weizen, Roggen, Dinkel, usw.) spielt auch der Stammwürzegehalt bei der Unterscheidung der Biersorten eine Rolle. Als Stammwürze bezeichnet man den Anteil der aus Hopfen und Malz im Wasser gelösten Stoffe vor der Gärung. Das sind vor allem Malzzucker und Mineralien, aber auch Vitamine, Eiweiß und Aromastoffe. Der Stammwürzegehalt wird in Prozent angegeben und darf nicht mit dem Alkoholgehalt verwechselt werden. Als Faustregel gilt: Der Alkoholgehalt beträgt etwa ein Drittel des Stammwürzegehalts.
Weiß-/Weizenbier.
Seit einigen Jahren ist Weißbier – gern auch Weizenbier, Weißes oder Hefeweizen genannt – "in". Einige Jahre war es jedoch in Vergessenheit geraten, erst seit 1965 erlebt es eine Renaissance. Weißbier wird mit obergäriger Hefe hergestellt. Da die Gärung bei 15 bis 24 Grad passiert, konnte es früher, als es noch keine Kühlanlagen gab und untergärige Biere wegen der zwingend notwendigen niedrigen Temperaturen nur in den Wintermonaten oder in kalten Gegenden gebraut werden konnten, auch im Sommer hergestellt werden. Mit Erfindung der Kältemaschine durch Carl Linde 1876 änderte sich dies – das Weißbier verschwand nahezu von der Bildfläche.
Weizenbiere werden aus über 50 Prozent Weizenmalz hergestellt, hinzu kommt Gerstenmalz. Sie sind mäßig gehopft, das heißt, sie enthalten nur einen geringen Anteil an Hopfen und sind daher nicht besonders bitter. Schwankungen gibt es innerhalb der Weißbiersorten sowohl bei der Farbe als auch beim Stammwürzegehalt. Nachgärung und Ausreifung können beim Weißbier über drei Wege erfolgen: 1. In der Flasche, 2. im Tank (jeweils mit Hefetrübung) oder 3. im Spezialtank mit anschließender Filtration, d.h. dem Bier wird die Hefe entzogen und es wird kristallklar. So entsteht das "Kristallweizen". "Weißbier hat etwa 44 bis 45 Kcal/100 ml und sollte idealerweise bei 8 Grad getrunken werden". Generell empfiehlt der Bierspezialist: "Je höher der Alkoholgehalt eines Bieres, desto höher die Trinktemperatur." Pils schmecke am besten bei kühlen 6 Grad, Dunkles etwas wärmer bei 8 bis 10 Grad.
Helles (Lager/Export).
Helles Lagerbier entsteht durch untergärige Brauweise. Es hat in der Regel einen Stammwürzegehalt von 11 bis 12 Prozent. Vor der Abfüllung wird es klar gefiltert. Deshalb spricht man auch vom "blanken Bier". Charakteristisch für Helles ist sein feinwürziger, milder Geschmack. Da es schwächer gehopft ist als beispielsweise Pils schmeckt es weniger bitter. Helles Lagerbier hat einen Alkoholgehalt von etwa 5 Prozent, 40 bis 42 Kcal/100 ml und schmeckt besonders gut bei 7 bis 9 Grad.
Zwischen den Bierbezeichnungen Helles, Lager und Export gibt es keine genau definierte Grenze. Das gleiche Bier kann im Handel unter allen drei Namen auftauchen.
Pils.
Im Vergleich zur etwa 4000-jährigen Geschichte des Gerstensaftes ist das Pils oder Pilsener eine sehr junge Biersorte. Erst vor gut 150 Jahren kam das "kühle Blonde" aus dem böhmischen Pilsen nach Deutschland. Pils zählt wie das Helle als Vollbier. Das sind Biere, deren Stammwürzegehalt zwischen 11 und 16 Prozent liegen. Der Stammwürzegehalt von Pils liegt oft bei 11 bis 12 Prozent. Das Bier zeichnet sich durch einen ausgeprägten, feinherben Bittergeschmack aus, der vom Hopfen herrührt. Die Hopfenbittere misst der Braumeister in Bittereinheiten (BE). Durchschnittlich hat Pils 30 BE. Zum Vergleich: Helles hat etwa 16 BE. Der Hopfen verleiht dem Pils aber nicht nur seine aromatische Note, sondern fördert außerdem die natürliche Klärung des Bieres, verbessert die Schaumkonsistenz und ist ein natürliches Konservierungsmittel. Zum Pilsbrauen wird außerdem besonders weiches Wasser und helles Gerstenmalz verwendet.
Pils sollte bei 6 bis 9 Grad getrunken werden. Es hat einen Alkoholgehalt von ca. 5 Prozent und enthält 40 Kcal/100 ml.
Starkbier/Bockbier.
In kühleren Jahreszeiten und in der Fastenzeit ("Flüssiges bricht Fasten nicht") wird gerne auch Bier getrunken, das einen höheren Stammwürzegehalt hat. Stark- und Bockbiere müssen mindestens einen Stammwürzegehalt von 16 Prozent haben, Doppelbock sogar 18 Prozent. Die Hefe wandelt im Gärprozess Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure um. Ein höherer Stammwürzegehalt führt also auch zu einem höheren Alkoholgehalt. Bockbier hat in der Regel einen Alkoholgehalt von 7 Prozent, Doppelbock 8 Prozent.
Bockbier lässt sich sowohl in obergärige und untergärige Biere unterscheiden. Traditionell wird das Starkbier zwar mit untergäriger Hefe hergestellt, aber es gibt auch Brauereien, die Weizen(doppel)bock anbieten.
Dunkles.
Dunkels Bier hat seine Farbe dem Malz zu verdanken. Bereits in der Mälzerei wird die Grundlage für die intensive Farbe und auch für die typische Vollmundigkeit des Bieres geschaffen. Geeignete Getreidesorten werden in der Mälzerei in Wasser eingeweicht, das Getreide beginnt zu keimen. Wird nun dieses so genannte Grünmalz bei niedrigen Temperaturen gedarrt (getrocknet) und dabei frische Luft zugeführt, entsteht helles Malz. Die Kombination aus hohen Temperaturen und mit Feuchtigkeit angereicherter Luft lassen das Malz beim Darren hingegen dunkeln. "Röstmalz ist so schwarz wie Kaffeebohnen", erklärt Bernhard Baumgartner.
Dunkles ist ein untergäriges Bier und schmeckt dank der dunklen Malze malzbetont, röstaromatisch, kernig. Da beim Gärprozess nicht die Endvergärung abgewartet wird, vergärt nicht der gesamte in der Würze enthaltene Malzzucker. Es bleibt ein Zuckeranteil im Bier zurück. So erhält das Dunkle seine Süffigkeit. Trotzdem hat Dunkles wie Helles 40 bis 42 Kcal/100 ml. Um das besondere Aroma genießen zu können sollte es bei 8 bis 10 Grad getrunken werden.
"Bier besteht zu über 90 Prozent aus Wasser und natürlichen Inhaltsstoffen", erklärt Bierexperte Baumgartner. Zudem sei der Alkoholgehalt im Vergleich zu anderen alkoholischen Getränken gering und deshalb nicht so schädlich, wie oft dargestellt. Trotzdem empfiehlt auch der Bierbraumeister: "In Maßen, nicht in Massen genießen!" Prost!




