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Michael Opitz
Regensburg

AUTOR: AUS DBU/TIBETHAUS FRANKFURT
FOTO: SABINE LEIKEP/FOTOLIA.COM

Die Suche nach Harmonie und Glück sind die Grundlagen der buddhistischen Lehre. Sie ist in "Vier Edlen Wahrheiten" zusammengefasst: Ethisches Verhalten, Meditation, tiefe Einsicht und Übungen sind die wesentlichen Merkmale. Buddha stellt mit seiner Lehre den Menschen immer in die Eigenverantwortung. Er lehrt Toleranz, Dialogbereitschaft, Gewaltlosigkeit und Dogmenfreiheit. Im Gegensatz zu vielen anderen Religionen erhebt der Buddhismus nicht den Anspruch auf allein gültige Wahrheiten.

Die "Vier Edlen Wahrheiten".
Die Vier Edlen Wahrheiten waren die ersten Lehren, die Buddha seinen Schülern nahe brachte:

1.
Die Wahrheit vom Leiden legt dar, dass die Existenz jedes fühlenden Wesens letztlich von Leid geprägt ist. Dies zu   erkennen ist eine wichtige Voraussetzung für die angestrebte Befreiung von allen Leiden.

2.
Die Wahrheit von der Ursache des Leidens beschreibt Gier, Hass und Verblendung als die Ursachen des Leidens, die es zu überwinden gilt.

3.
Die Wahrheit vom Ende des Leidens stellt fest, dass das Leiden nicht zu unserer eigentlichen Natur gehört, sondern dass es grundsätzlich möglich ist, einen leidfreien Zustand zu erreichen.

4.
Die Wahrheit vom Weg zur Beendigung des Leidens zeigt den "Edlen Achtfachen Pfad" auf, den jeder Buddhist zu gehen bereit sein muss.

Der edle achtfache Pfad.
Die gesamte Lehre des Buddha baut auf dem "Achtfachen Pfad" auf. Er gibt praktische Anweisungen zur vollständigen Leidensaufhebung, dem Nirvana.

Die vollständige Beendigung des Leidens wird erreicht durch
- vollkommene Sicht
- vollkommene Gesinnung
- vollkommene Rede
- vollkommene Tat
- vollkommener Lebenserwerb
- vollkommene Anstrengung
- vollkommene Achtsamkeit
- vollkommene Sammlung (Meditation)

Diese acht Elemente werden im Buddhismus auch unter drei Sammelbegriffen zusammengefasst:
- Ethik
- Meditation
- Wissen und Weisheit

Nach dem 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung verbreitete sich der Buddhismus auch außerhalb Indiens. Sehr flexibel passte sich die Lehre den kulturellen Gegebenheiten der verschiedenen Länder an, so dass heute viele buddhistische Traditionen mit sehr unterschiedlichen äußeren Erscheinungsformen gepflegt werden.

Nach Tibet kam die buddhistische Lehre gleich zweimal: im 7. Jahrhundert durch den 33. tibetischen König Songtsen Gampo, der Studenten nach Indien schickte, damit sie dort Sanskrit lernten und die buddhistischen Texte ins Tibetische übersetzten. In der Folge lud König Trizong Detsen die indischen Gelehrten Padmasambhava ("Guru Rinpoche") und Shantarakshita ein. Unter ihrer Anleitung wurde 799 das erste buddhistische Kloster in Samye südlich von Lhasa gebaut. Im 11. Jahrhundert lud der Priesterkönig Yeshe Ö den indischen Gelehrten Atisha von der berühmten Universität Bri Kamalashila ein, um den Buddhismus in Tibet zu reformieren und ihm neue Impulse zu geben. Seither hat sich die Lehre des Buddha in Tibet fest etabliert und wird bis heute von Lehrer zu Schüler weiter gegeben. In den beiden Schriftsammlungen "Kangyur" und "Tangyur" sind die Worte des Buddha und berühmter indischer Meister in Schriftform umfassend überliefert. Heute werden zahlreiche verschollene Sanskrit-Texte auf der Basis der tibetischen Übersetzungen rekonstruiert.

Wer war der Buddha?
Der historische Buddha wird zum Mai-Vollmond des Jahres 563 v. Chr. in Lumbini geboren. Er entstammt dem Adelsgeschlecht Gautama, das die kleine nordindische Adelsrepublik der Shakya zu jener Zeit regiert. Sein Vater Shuddhodana, Oberhaupt einer der regierenden Familien, gehört der Kriegerkaste an und residiert in der heute in Nepal gelegenen Hauptstadt Kapilavastu. Er nennt seinen Sohn Siddhartha. Nach seiner Geburt verkündet nach der Legende ein Seher, dass dieses Kind ein großer Herrscher oder ein großer Heiliger werden wird. Daraufhin lässt Shuddhodana den Kronprinzen in allen Künsten seiner Zeit ausbilden und hält alles Leid von ihm fern.

Schon als Kind zeigt Siddhartha außergewöhnliche Begabung und Klugheit. Mit 16 Jahren wird er mit der Prinzessin Yashodhara vermählt, sie leben im Luxus. Dennoch ist der Prinz unbefriedigt. Bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes unternimmt der 29-Jährige Ausfahrten in die Umgebung und sieht erstmals die Realität des Lebens und das Leiden der Menschen. Die Legende berichtet von Begegnungen mit einem Greis, einem Kranken, einem Leichnam und schließlich mit einem Wanderasketen, dessen Ausstrahlung den Prinzen zutiefst berührt. Er erkennt, dass Altern, Krankheit, Tod und Schmerz untrennbar mit dem Leben verbunden sind und dass selbst Reichtum nicht davor schützen kann. So beschließt er, nach einem Weg zu suchen, der zu unvergänglichem Glück führt.

Eines Nachts verlässt er das vermeintlich sorglose Leben im Palast und schließt sich wandernden Asketen an. Als Schüler zweier berühmter brahmanischer Eremiten erlernt er die philosophischen Systeme und Yoga-Praktiken seiner Zeit und meistert sie rasch. Da sie ihn jedoch seinem Ziel nicht näher bringen, wendet er sich sechs Jahre lang der zu jener Zeit verbreiteten Schmerzensaskese zu. Dem Hungertod nahe erkennt er, dass auch dies kein Weg zur Befreiung ist. Fortan widmet er sich auf der Suche nach einem eigenen Weg der Meditation.

Im Alter von 35 Jahren hält er sich in der Nähe von Bodhgaya (Bihar) auf. Dort erlebt er eines nachts unter einer Pappelfeige, dem Bodhi-Baum, in tiefster Versenkung sitzend sein Erwachen (bodhi) zur umfassenden Wahrnehmung der Wirklichkeit. Hass, Begehren und Verblendung fallen von ihm ab. So wird er zu "Buddha", zum Erwachten. Dieser Tag wird heute noch in allen buddhistischen Ländern als Vesak-Fest gefeiert und ist der höchste buddhistische Feiertag zum Gedenken an seine Geburt, sein Erwachen und seinen Eingang ins Parinirvana.

Nach anfänglichem Zögern, ob die Menschen seine Botschaft wohl verstehen können, macht er sich auf zum Wildpark bei Isipatana (dem heutigen Sarnath bei Varanasi), um seinen früheren Gefährten seine tiefe Erkenntnis mitzuteilen. Nach dieser ersten Lehrrede über die Vier Edlen Wahrheiten werden diese fünf Asketen seine ersten Schüler. Ab diesem Tag wandert er 45 Jahre lang durch den Nordosten Indiens und lehrt seinen Schülern den Edlen Achtfachen Weg der Tugend, Meditation und Weisheit. Diesen "Mittleren Pfad" zwischen Luxus und Askese vermittelt er Menschen aller Gesellschaftsschichten. Er spricht zu Königen und Bauern, Brahmanen und Kastenlosen, reichen Kaufleuten und Bettlern, Heiligen und Räubern ohne jede Diskriminierung. Nicht die Geburt oder der Rang eines Menschen sind für ihn maßgebend, sondern sein Verhalten. Seiner Lehre über die Befreiung von Begehren, Hass und Verblendung folgen Männer und Frauen aller Schichten und viele verwirklichen das Ziel der Befreiung vom Leiden.

Von seinem Tod berichtet die "Große Lehrrede vom Parinirvana", dem Einritt in das endgültige Nirvana, dass er mit 80 Jahren auf seiner letzten Wanderung in einem Wald bei Kushinagara (im heutigen Bundesstaat Uttar Pradesh) infolge verdorbenen Essens stirbt, ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben. Sein Sterben ist eine letzte Unterweisung für die ihn begleitenden Schüler: "Die Lehre und Ethik, die ich verkündet habe, sei Euer Lehrer, wen ich von Euch gegangen bin … Alle zusammengesetzten Erscheinungen sind vergänglich, durch Unzerstreutheit erreicht Ihr das Ziel."


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