AUTOR: STEFAN PANNEN, ALOIS BERGER
FOTO: BAYERISCHER BRAUERBUND E.V.
Kenner schlürfen sie genießerisch wie einen guten Wein: die belgischen Klosterbiere. Besonders beliebt sind die Biere des Trappisten-Ordens. Sie werden nur in kleiner Menge gebraut und auch nicht großflächig vermarktet.
Das Trappisten-Kloster von Rochefort liegt in den belgischen Ardennen, auf halber Strecke zwischen Luxemburg und Brüssel. Dort kann man sich zwar im Gästehaus einquartieren, aber das eigentliche Kloster und die Brauerei sind für Besucher tabu. Stefan Pannen und Alois Berger durften ausnahmsweise rein und haben die beiden Väter des Bieres von Rochefort kennengelernt.
Für Braumeister Vital beginnt der Tag mitten in der Nacht. Er ist Angestellter der klostereigenen Brauerei, kein Mönch. „Wir fangen hier in Rochefort um vier mit dem Brauen an. Das ist sehr früh für den, der aufstehen muss.“ Das Wasser kommt aus der klostereigenen Quelle. Der Rest sieht eher unspektakulär aus, Grundzutaten sind Hopfen und Weizenstärke. Damit wird die Maische angesetzt.
Auch Bruder Pierre drüben im Kloster ist schon seit Stunden auf. Nach dem nächtlichen Gebet bleiben die Mönche wach und lesen. Bis Bruder Pierre zu seiner weltlichen Pflicht eilt. Ora et labora – Bete und arbeite. So lautet die Regel seines Ordens: „Bis vor nicht allzu langer Zeit waren alle Trappistenklöster auch große landwirtschaftliche Betriebe. Aber das ist in Europa zu schwierig geworden. Deshalb haben die belgischen Trappisten ihre traditionellen Brauereien ausgebaut.“
Braumeister Vital öffnet inzwischen kupferne Hähne und schnuppert an einer goldbraunen Flüssigkeit. „Das ist die berühmte Maische, an der wir seit vier Uhr morgens arbeiten“, erklärt er stolz. „Ziemlich klar, schöne braune Farbe und man riecht schon deutlich den Karamellduft unseres Bieres. Selbst wenn es erst die Maische ist. Ich probiere jetzt, ob der Zuckergehalt stimmt… Perfekt!“
Das Geheimnis der Hefe:
Vier Tage brauen, drei Tage Gärung – diesen Kreislauf können die Bierbrauer nicht unterbrechen, auch wenn die Mönche vielleicht zwischendurch gern mal weniger Lärm im Kloster hätten, meint Vital. „Wir müssen die Hefe am Leben halten, also machen wir Woche für Woche weiter. Die Hefe ist unser Geheimnis. Alle anderen Zutaten kann jeder überall kaufen.“
Das mit dem Geheimnis sieht Bruder Pierre allerdings ganz anders: „Suchen Sie das Geheimnis der Qualität unseres Bieres nicht in der Chemie, in Rezepten oder solchen Dingen. Hier geht es vielmehr um Ethik. Wir haben eine christliche Ethik. Uns sitzen keine Aktionäre im Nacken, die nur Gewinne einstreichen wollen. Das heißt wir achten schon darauf, dass der Betrieb läuft und wir keine roten Zahlen schreiben. Aber wir zögern nicht, in die besten Maschinen zu investieren.“
Inzwischen haben sich Braumeister Vital, Bruder Pierre und die anderen Angestellten der Brauerei um einen großen Tisch versammelt. In der Mitte thronen drei der typischen Tulpengläser, in denen das Bier aus Rochefort ausgeschenkt wird. Wie jeden Freitag probieren die Braukünstler, ob das Bier, das frisch aus der Lagerung kommt, schon soweit ist, dass es ab dem darauffolgenden Montag verkauft kann. Bruder Pierre kann seine Enttäuschung nicht verbergen: „Nichts zu machen. Das Bier rechts ist viel klarer als die beiden anderen…“
Da er für die Qualitätskontrolle verantwortlich ist, muss er bei den Freitagstests immer dabei sein. Außerdem ist er Vermittler zwischen den Angestellten und der Klostergemeinschaft: „Von dem Geld, das wir verdienen, leben wir, denn wir sind kein Bettelorden. Wir erhalten damit auch das Kloster und können zudem Menschen helfen, die in Schwierigkeiten sind. Das ist Teil unserer Tradition: Arbeiten um zu leben und arbeiten um wohltätig zu sein.“
Dann ist endlich Feierabend für die Bierbrauer von Rochefort. Braumeister Vital steht schon draußen vor dem Kloster und wirft den Propellermotor für seinen Gleitschirm an: „Wenn man den ganzen Tag in einer Brauerei arbeitet, dann muss man auch mal raus. Mir geht das jedenfalls so. Ich brauche viel frische Luft und ich fühle mich in der Luft wohl.“
Das Ende eines gemeinsamen Arbeitstages: Entspannung und Nervenkitzel für Braumeister Vital, Sammlung und Gebet für Bruder Pierre, der in die Klosterkirche zurückgekehrt ist. Der nächste Tag wird wieder früh beginnen für die beiden Väter des Bieres von Rochefort.




