Dass hier ein Querkopf heranwächst, hat sich schon früh gezeigt. Denn wer heuert schon mit 15 Jahren als Tellerwäscher auf einem Kombi-Schiff des Norddeutschen Lloyds an, um sieben Wochen durch die Weltmeere zu fahren und anschließend 14 Tage durch New York zu stromern?
(Erfahren Sie mehr über die Geschichte New Yorks). Hans-Berndt Ziegler lässt sich für die benötigte Zeit von der Schule befreien. Die Reiselust packt ihn wieder nach dem Abitur, sechs Wochen trampt er durch Nordafrika. Aufgetankt mit vielen Eindrücken widmet er sich im Folgenden dann ganz dem Ernst des Lebens. Studium in Marburg, Assistenzstelle nach dem ersten Examen, Promotion in der Rekordzeit von gerade einmal neun Monaten, selbstständiger juristischer Repetitor schon in der Referendarzeit – das sind die Stationen, ehe er sich für den weiteren Berufsweg entscheiden muss.
Und obwohl Hans-Berndt Ziegler die Qual der Wahl hat, fällt sie ihm nicht schwer. „Mitte Juli, wenige Tage nach dem Examen, rief mich der damalige OLG-Vizepräsident Heinrichs aus Frankfurt an und fragte, ob ich nicht Richter am Landgericht werden wollte. Ich habe abgelehnt und angekündigt, eine Anwaltskanzlei in Marburg zu eröffnen. Während der Schule, des Studiums und der Assistenten- und Referendarzeit war ich über so viele Jahre nur angewiesen, kontrolliert und geprüft worden, dass ich mir fortan von niemandem mehr Vorschriften machen lassen wollte, auch nicht von Richtern. Dabei ist es bis heute geblieben“, so beschreibt er die Motive, die ihn dorthin geführt haben, wo er heute steht.
Aller Anfang ist schwer – und auch der von Hans-Berndt Ziegler als Anwalt war nicht leicht. In den Jahren nach 1981 nahm er alles an, was ihm auf den Tisch kam, und erst gegen Ende der Achtzigerjahre spezialisiert er sich auf Arzthaftungsrecht. Auslöser ist der Fall einer jungen Sportlehrerin, bei der eigentlich nur eine Knie-Arthroskopie hätte durchgeführt werden sollen. Nachdem sie sich für eine Vollnarkose entschieden hat, führen ihr die Ärzte den Beatmungsschlauch statt in die Luft- in die Speiseröhre ein, mit der Folge, dass die Frau die Operation nicht überlebt. Sieben Jahre treibt Ziegler den Prozess durch die Instanzen, ehe er einen rechtskräftigen Spruch in Händen hält, der die Ärzte wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Gut 20 Jahre sind es nun, die Hans-Berndt Ziegler auf diesem
Rechtsgebiet tätig ist – und sie haben seine Weltsicht entscheidend
geprägt. Beispielsweise in der Hinsicht, dass er freiwillig zu keinem
Arzt mehr geht; zu viel hat er schon an Missgriffen erlebt. Und was daraus dann gewöhnlich folgt, ist nicht minder problematisch:
Versicherungen, die mit aller Macht Prozesse verschleppen, weil sie auf
die „biologische Lösung“ der Fälle hoffen, Richter, die Verfahren
einfach liegen lassen.
Und dies alles spielt sich auf dem Rücken von meist schwerst
geschädigten Menschen ab, die dringend auf Hilfe bzw. auf die ihnen
zustehende Entschädigung angewiesen sind.







