DR. CHRISTIAN
TETZLAFF
Endlich haben wir ihn gefunden, den Augustusweg in der Wein- und Gartenstadt Radebeul bei Dresden. Beeindruckt von der Schönheit des Villenquartiers rings um uns, stapfen wir nun durch den Schnee, um Rechtsanwalt Dr. Tetzlaff zum LEGAL IMAGE-Interview zu treffen. Und da öffnet sich auch schon die braune Holztür der schönen Jugendstilvilla, in deren Dachgeschoss die Kanzlei Dr. Tetzlaff und Partner eingemietet ist. Vor uns steht der Rechtsanwalt persönlich und begrüßt uns freundlich – und irgendwie ist man fast überrascht, in dieser eher konservativen Umgebung, einen so jungen und zwanglosen Anwalt anzutreffen: Ohne Krawatte und mit einem modischen Silberring am Finger bildet er einen auffallenden Kontrast zur gediegenen Atmosphäre der Villa.
Fragen Sie Professor Kaul. Gebannt sitzt Christian Tetzlaff als Kind vor der Flimmerkiste, wenn „Professor Kaul“ Rechtsfragen aus dem DDR-Alltag beantwortet. Und so kommt die Antwort auf die Frage, was er denn als Kind werden wollte, beinahe wie aus der Pistole geschossen: Jurist. Doch Träume sind Schäume – vor allem in der damaligen DDR. Zum einen, weil stark auf die Linientreue der Eltern geachtet wird und zum anderen, weil man zu dieser Zeit schnell die Stasi-Verpflichtungserklärung unter die Nase geschoben bekommt. Also verwirft Christian Tetzlaff seinen Traum – doch nur für kurze Zeit, denn das Leben meint es gut mit ihm: Die Wende kommt rechtzeitig und er kann an der Universität Hamburg sein Jurastudium beginnen – ein Ansinnen, dass übrigens die Hälfte seiner Klassenkameraden mit ihm teilt. Gut, dass in den 90er-Jahren noch ein großer Bedarf an Rechtsanwälten herrscht.
Der Weg ist das Ziel. Nach dem Studium und der Promotion will Christian Tetzlaff eigentlich erst Justiziar in der Rechtsabteilung einer Bank werden, ist unter anderem im Referendariat für die Deutsche Bank in London tätig. Doch dann schlägt er einen anderen Weg ein: Er startet in der Dresdner Kanzlei Kübler seine Laufbahn im Insolvenz- und Sanierungsrecht – ein Rechtsgebiet, das ihn ab diesem Zeitpunkt begleiten wird. Schließlich zieht es ihn nach Düsseldorf, zur Rechtsanwaltskanzlei und Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp. Als das Unternehmen dann einen Standort in Dresden eröffnet, greift der junge Rechtsanwalt sein Glück beim Schopf und wechselt als Standortleiter zurück an die Elbe. Doch der Ruf der Unabhängigkeit wird immer stärker, und so gründet Christian Tetzlaff seine eigene Kanzlei. Tetzlaff und Partner mit Schwerpunkt Bank- und Insolvenzrecht wird geboren – und das Dachgeschoss der Radebeuler Villa bezogen.
Das Geheimnis des richtigen Zeitpunkts. Im Leben geht es oft um den richtigen Zeitpunkt – so auch im beruflichen Alltag von Rechtsanwalt Tetzlaff: Gleich zweimal vertritt er ein- und denselben Geschäftsführer und zweimal geht es um dasselbe Problem – oder sagen wir, um dasselbe Thema: den Insolvenz-Antrag. Mit einem Unterschied: Das erste Mal stellt der Geschäftsführer den Antrag nach Meinung des Gerichts zu früh, ein anderes Mal zu spät. Zum Haareraufen? Nicht für Rechtsanwalt Tetzlaff: Er wälzt viele Leitz-Ordner und kann schließlich entkräften, dass der Antrag zu früh gestellt worden sei. So bleibt seinem Mandanten eine hohe Schadenersatz-Zahlung erspart. Der zweite Fall – jener der angeblichen Insolvenzverschleppung – ist aktuell noch nicht abgeschlossen. Gibt es den richtigen Zeitpunkt für das Stellen eines Insolvenzantrages vielleicht doch? „Nein, man kann nicht allgemeingültig sagen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist“, erklärt Tetzlaff, „jeder Fall stellt sich anders dar. Deshalb ist es ratsam, sich von Anfang an fachkundige Hilfe an die Seite zu holen.“
Zug um Zug gut beraten – und trotzdem schachmatt. Um Mobbing auf höchster Ebene geht es im nächsten Fall: Der Gesellschafter einer kleineren GmbH mit Sitz in Dresden soll aus dem Unternehmen gedrängt werden. Um den Plan in die Tat umzusetzen, organisieren die anderen Gesellschafter eine Versammlung. Soweit nichts Verwerfliches, würden sie die Versammlung in Dresden und nicht im weit entfernten Nordrhein-Westfahlen anberaumen – in Kenntnis, dass sich der Gesellschafter diese Reise aus finanziellen Gründen beim besten Willen nicht leisten kann. Als der Gesellschafter, wie erwartet, nicht auf der Versammlung erscheint, fällen die Anwesenden das Urteil: Er soll als Gesellschafter abgesetzt und seiner Gesellschaftsanteile entledigt werden. Der geschasste Gesellschafter wendet sich verzweifelt an Dr. Tetzlaff – er will seinen Gesellschafterstatus und natürlich auch seine Anteile zurück. Tetzlaff übernimmt den Fall – aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten seines Mandanten auf langen Strecken pro bono, also unentgeltlich. Und endlich: Das Gericht gibt ihnen teilweise recht. Doch die Freude über den Teilerfolg ist nur von kurzer Dauer, denn der nächste Schachzug der Gesellschaft folgt auf dem Fuß: Das Unternehmen stellt Antrag auf Insolvenz und macht damit die Wiedereinsetzung als Gesellschafter völlig wertlos. Ein herber Rückschlag, der Christian Tetzlaff gerade für seinen Mandanten unglaublich leidtut.
Auf dem Frachter durch den Ärmelkanal. Wenn die Tür der Kanzlei hinter Christian Tetzlaff ins Schloss fällt, frönt er seinem liebsten Zeitvertreib und erkundet auf dem Fahrrad das Elbtal. (Erfahren Sie mehr über den Elberadweg). Für die Beschäftigung mit seinem anderen Hobby, der Heimatgeschichte, fehlt leider meist die Zeit. Dabei war Geschichte schon während der Schulzeit sein liebstes Fach – sogar beim Bundeswettbewerb „Deutsche Geschichte um den Preis des Bundespräsidenten“ nimmt er teil – und gewinnt. Neben der Geschichte bewegt Tetzlaff aber noch ein anderes Thema: der Sport. Gerade trainiert er für den Halbmarathon. Ob er auch gerne auf Reisen geht? Natürlich, aber meist reicht die Zeit nur für einen Trip an die Ostsee. Macht aber nichts, Christian Tetzlaff liebt die unendliche Weite des Ozeans. Die hat er bereits hautnah erlebt – an Bord eines Frachters von Hamburg durch den Ärmelkanal nach Teneriffa und Gran Canaria. (Lesen Sie mehr zum Thema: Unterwegs auf einem Containerschiff). Und gibt es auch noch einen großen Traum, den sich Christian Tetzlaff erfüllen will? Verschmitzt lächelnd wehrt der Rechtsanwalt ab: „Den kann ich doch nicht verraten – sonst geht er nicht in Erfüllung.“ Wir verstehen und wünschen ihm dennoch viel Glück bei seinem geheimen Ansinnen.