Ihr Beruf ist für Rechtsanwältin Margarete von Oppen eine gelungene Fusion all ihrer Neigungen und Leidenschaften – und schlägt gleichzeitig eine Brücke zu ihrer Kindheit in Lüchow-Dannenberg. Was der Landkreis an der Elbe mit ihrer beruflichen Tätigkeit zu tun hat? Nun ja, laut von Oppen so einiges – aber lesen Sie lieber selbst.
Sehr früh – und noch bevor es „modern“ wurde – geht es in Margarete von Oppens Umfeld um grüne Energie: Schließlich wird sie in Lüchow-Dannenberg mit der Anti-Atomkraftbewegung groß – ein Umstand, der sie menschlich, aber auch politisch, sehr prägt. Gleichzeitig stammt Margarete von Oppen – wie der Name schon vermuten lässt – aus einem behüteten Elternhaus, mit einer alten, großen Familie: „Zu jeder Gelegenheit mussten wir etwas aufführen – ein Umstand, der mir heute sehr hilft, ohne Scheu vor einem Publikum aufzutreten.“
Adel verpflichtet? Wer denkt, Margarete von Oppen wäre die Rechtswissenschaft in die Wiege gelegt worden, irrt. Die Juristerei war für sie eine Vernunftentscheidung. Eine, die ihrem Umfeld nicht sonderlich behagte: „Margarete, eine solche ,Herrschaftswissenschaft’ kannst du doch nicht studieren“, klingen die Worte ihrer Lehrer und Freunde noch heute in von Oppens Ohren, wenn sie an die damalige Zeit zurückdenkt. Dennoch, sie will etwas Handfestes studieren, etwas, das ihrer Neigung für die Sprache, aber auch ihrem Interesse für die Politik entspricht. Doch zu Beginn ihres Studiums ist die junge Margarete von Oppen erst einmal verunsichert – das Umfeld ähnelt so gar nicht dem, was sie aus ihrer Jugend kennt. Sie stört sich an der scheinbar unerschütterlichen Selbstgewissheit ihrer Kommilitonen, die jetzt schon den Eindruck vermitteln, als hätten sie ihre Zukunft an der gesellschaftlichen Spitze bis ins letzte Detail im Griff. Dennoch wird sie bald in deren Kreise aufgenommen: „Im Studium bin ich aufgefallen, ich konnte gar nicht anders – wenn ich überlege, mit wem ich in Würzburg zusammen studiert habe, dann sind das heute alles erfolgreiche Leute.“
Würzburg, Straßburg, Berlin. Auch wenn die Inhalte ihres Studiums in Würzburg Margarete von Oppen eher enttäuschen, quält sie sich erfolgreich hindurch. Vor allem bleibt sie dem Verwaltungsrecht mit seiner Tendenz zum Politischen treu. Im Anschluss an ihr erstes Staatsexamen zieht es sie fort: nach Frankreich, genauer gesagt nach Straßburg – einerseits um Europarecht zu studieren, andererseits, um ihrer Liebe zur Sprache zu frönen. Sie beschäftigt sich mit der „Deregulierung des Energiemarktes aus Europarechtlicher Sicht“ und kommt damit zum ersten Mal in Kontakt mit ihrer späteren beruflichen Spezialisierung. Zurück in Deutschland beginnt sie ihr Referendariat und steigt im Anschluss bei einem Immobilienentwickler als Justiziarin ein. Hier stellt sie fest, dass die rechtliche Umsetzung von städtebaulichen Vorhaben ihr sehr liegt, vielleicht, weil dazu viel mehr gehört, als das formale Abarbeiten von Rechtsfragen. Technische Hintergründe, politisches Gespür, Organisationstalent und Kontaktfähigkeit gehören hier mindestens ebenso zur Grundausstattung wie die selbstverständlich gefragte juristische Kompetenz.
Dieser Weg wird kein leichter sein. Als sie ihren Weg beim Immobilienentwickler nicht nach ihren Vorstellungen weitergehen kann, wechselt Margarete von Oppen in die Kanzlei Danckert Böx Meier: Fortan kann sie Peter Danckert, späterer Abgeordneter im Bundestag, auf seinen Polit-Touren begleiten – und unter anderem auf Bürgerversammlungen „flammende Reden“ zum Thema Erschließung halten. Der Kanzleialltag hat nicht ganz denselben Unterhaltungswert. Neben spannenden Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit größeren Infrastrukturprojekten strandet bei der jungen Anwältin alles, was so im Verwaltungsrecht anfällt, vom Vermögensrecht bis zur Gewerbeuntersagung. Margarete von Oppen spürt, dass ihr das nicht mehr reicht. Bei der Trennung vom sicheren Angestelltenstatus hilft ihr letztlich die Geburt ihrer Tochter Charlotte. Zunächst setzt sie ihre Tätigkeit für Danckert Böx Meier – als erste Frau in dieser Sozietät und dank der Unterstützung von Peter Danckert – halbtags fort. Bald muss sie aber feststellen, dass man als Halbtagskraft schnell aus den internen Netzwerken herausfällt. Auch erfährt sie, dass einige der Partner, ihre Halbtagstätigkeit nicht unbedingt mit Wohlwollen betrachten. So läuft schlussendlich alles auf eines hinaus: den Weg in die Selbstständigkeit, den sie gemeinsam mit ihrem Mann geht. Es ist die Geburtsstunde der Kanzlei Geiser & von Oppen.
Auf Tauchstation. In der Anfangszeit ihrer Selbstständigkeit betreut Margarete von Oppen so ziemlich alles, was „an Land gespült wird“ – doch ihre Leidenschaft für das Thema „Projektentwicklung“ und „erneuerbare Energien“ bleibt. Und dann endlich geht es wieder in diese Richtung: Die frisch gebackene Sozietät begleitet die Gründung des heutigen Bundesverbandes Solarwirschaft und hat so die Chance eine junge Branche von „klein auf“ mitzuerleben. Schließlich gelingt ihr der Durchbruch: Margarete von Oppen gewinnt eine Ausschreibung des Bundesumweltministeriums – ihre künftige Eintrittskarte zu Konferenzen und natürlich auch zu Mandanten, schließlich war dies ein untrügliches Zeichen für ihre Kompetenz im Bereich „erneuerbare Energien“. Doch es ist auch der Startschuss für eine beruflich sehr intensive Zeit: „Ich bin über fünf Jahre im Beruf untergetaucht – erst jetzt komme ich langsam wieder an die Oberfläche“, so die Anwältin schmunzelnd.
Ein typischer Arbeitstag. Liebe Leser, Hand aufs Herz, könnten Sie jetzt schon in Worte fassen, wie genau Frau von Oppen ihre Brötchen verdient? Nein? Macht nichts, wir fragen ganz einfach bei der Anwältin nach und stellen fest, dass Margarete von Oppens berufliches Portfolio ganz schön bunt ist: So berät sie einerseits die öffentliche Hand (z.B. das Bundesministerium für Umwelt) und Verbände (z.B. den Bundesverband Solarwirtschaft) in konzeptioneller Hinsicht, gleichzeitig unterstützt sie Unternehmen der Energie- und Immobilienbranche bei der Entwicklung von Projekten im Bereich erneuerbare Energien. Dies umfasst vor allem die Sicherung der Flächen, den Bau der Anlagen und die Sicherung des Netzzugangs. Gleichzeitig unterrichtet Margarete von Oppen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Umwelt- und Umweltenergierecht und ist auch ansonsten vielfältig als Dozentin oder Referentin unterwegs. „Meine Leidenschaft zu quatschen und Menschen etwas im Bereich erneuerbare Energien beizubringen, aber gleichzeitig auch ein wichtiger Teil eines Netzes zu sein und Menschen miteinander in Kontakt zu bringen – ja, ich kann sagen, dass ich durch meine Tätigkeit heute einen großen Teil meiner Vorlieben abgedeckt habe“, so Margarete von Oppen.
Zeit des Müßiggangs. Auch eine Frau wie Margarete von Oppen hat hin und wieder Freizeit. Einen Teil davon bringt sie dennoch mit Themen zu, die sie beruflich beschäftigen und liest nachts um zwölf Zeitschriften zum Thema Erneuerbare Energien (Lesen Sie mehr zum Thema Erneuerbare Energien in Strom, der aus der Wüste kommt). Aber auch die Ruhe der Natur gibt der Anwältin Kraft: „Ich finde es wunderbar, einfach auch einmal allein zu sein – ich gehe dann hinaus in den Wald.“ Der ideale Urlaub? Tagsüber wandern, abends gut essen gehen – am liebsten in Frankreich: „Da ist alles noch nicht so durchorganisiert und man kann sich die Wege noch selbst suchen.“ (Lesen Sie mehr zum Thema Wandern in Fjelle, Fjorde, Freiheit). Die tollste Wanderung für Margarete von Oppen war aber jene, die sie an Costa Ricas vulkanischen Bergketten der Cordilleras entlanggeführt hat. „Spuckende Vulkane, aber auch Gewitter und die tosende Brandung des Meeres – wenn die Natur sich entlädt, übt das eine ungeheure Faszination auf mich aus“, schwärmt von Oppen. Und fast haben die LEGAL IMAGE Redakteure nach dem Interview mit Margarete von Oppen das Gefühl, gerade selbst eine solche Naturgewalt erlebt zu haben.